Italienische Stoffe und Garne: Auswahlhilfe für Einkäufer

Italienische Stoffe und Garne: Auswahlhilfe für Einkäufer

Der Stoff entscheidet, wie ein Kleidungsstück sitzt, sich trägt und verkauft, und er macht einen großen Teil der Kosten aus. Italien ist bei vielen Fasern stark: Wolle und Streichgarnstoffe aus Prato, Kammgarne aus Biella, Seide aus Como, Leinen, Hemdenstoffe aus Baumwolle, Kaschmirgarne. In diesem Ratgeber finden Sie einen kurzen Überblick über jede Faser, die Kennwerte, die Sie prüfen sollten, und wie Sie Stoff so bestellen, dass die Serie dem Muster entspricht.

Wolle: Kammgarn und Streichgarn

Wollstoffe teilen sich in zwei große Familien. Kammgarnstoffe (italienisch pettinato) werden aus glattem, gekämmtem Garn gewebt: Sie sind fein, dicht, klar im Muster und eignen sich für Anzüge, Hosen und Kleider. Streichgarnstoffe (cardato) entstehen aus voluminöserem Garn: Sie sind wärmer und weicher, mit fülliger Oberfläche, und werden zu Mänteln, Jacken und Winterröcken verarbeitet. Prato ist traditionell auf Streichgarn spezialisiert, die Gegend um Biella im Piemont ist für Kammgarn bekannt. Feine Merinowolle trägt oft die Angabe Super 100s, 120s oder höher: Je höher die Zahl, desto feiner die Faser, aber desto empfindlicher der Stoff im Gebrauch. Für Alltagsbekleidung braucht es nicht immer den höchsten Wert.

Kaschmir und feine Fasern

Kaschmir wird für Weichheit und Wärme bei geringem Gewicht geschätzt. Italienische Spinnereien kaufen den Rohstoff in der Regel im Ausland und verarbeiten ihn zu Garn und Stoffen, daher hängt die Qualität nicht nur von der Herkunft der Faser ab, sondern auch von Faserlänge und Feinheit sowie von der Qualität des Spinnens und der Ausrüstung. Bei Strick zählen Garnnummer und Maschinenfeinheit: Sie bestimmen Dichte und Gewicht des Teils. Kaschmir wird oft mit Wolle oder Seide gemischt, um den Preis zu senken und die Strapazierfähigkeit zu erhöhen. Achten Sie beim Vergleich von Angeboten auf den genauen Kaschmiranteil, fordern Sie ein Stoffmuster an und prüfen Sie es auf Pilling, besonders wenn das Teil im mittleren Preissegment verkauft wird.

Leinen, Baumwolle und Seide

Leinen ist atmungsaktiv und passt gut zu Sommerkollektionen, knittert aber stark und kann beim Waschen einlaufen, fragen Sie daher, ob der Stoff vorgeschrumpft ist. Baumwolle ist am vielseitigsten, von Popeline und Oxford für Hemden bis zu Jersey und Twill. Die Qualität hängt von Faserlänge und Garnnummer ab: Langstapelige Baumwolle ergibt einen glatteren und festeren Stoff. Seide ist in Italien vor allem mit der Gegend um Como verbunden, wo Seidenstoffe bedruckt und veredelt werden. Seide braucht sorgfältiges Nähen und schonende Pflege, Farben und Drucke sollten auf Lichtechtheit geprüft werden. Bei allen drei Fasern zeigt das Flächengewicht in Gramm pro Quadratmeter, ob sich der Stoff für Hemd, Kleid oder Hose eignet.

Mischgewebe und Elasthan

Mischgewebe verbinden die Eigenschaften verschiedener Fasern: Wolle mit Polyamid hält besser die Form und ist langlebiger, Baumwolle mit Elasthan bringt Tragekomfort, Viskose mit Wolle macht den Stoff weicher und günstiger. Eine Mischung ist weder besser noch schlechter als eine reine Faser, es kommt auf Verwendungszweck und Preis an. Wichtig ist, dass die Angabe auf dem Etikett dem tatsächlichen Stoff entspricht: Nach EU-Recht wird die Zusammensetzung in Prozent mit offiziellen Faserbezeichnungen angegeben. Schon 2-5% Elasthan verändern das Verhalten des Stoffes, Schnitte und Maßtabelle müssen das berücksichtigen. Wenn Sie von einer reinen Faser auf eine Mischung wechseln oder umgekehrt, nähen Sie ein neues Muster und prüfen Sie die Passform, statt die alten Schnitte einfach zu übernehmen.

Recyclingwolle aus Prato

Seit mehr als einem Jahrhundert verarbeitet Prato getragene Wollkleidung und Textilabfälle zu neuer Faser. Die Altkleider werden nach Farbe und Zusammensetzung sortiert, bis zur Faser aufgerissen und neu versponnen, oft unter Zugabe von Schurwolle oder anderen Fasern. Die Sortierung nach Farbe macht ein erneutes Färben in vielen Fällen überflüssig. Diese Stoffe heißen regenerierte oder recycelte Wolle und sind bei Marken gefragt, denen Nachhaltigkeit wichtig ist. Beachten Sie die Besonderheiten: Die Faser ist nach dem Recycling kürzer, der Stoff daher meist dichter und voluminöser, und die Eigenschaften einer Partie können leicht vom Muster abweichen. Werben Sie mit Nachhaltigkeit nur mit Nachweisen des Lieferanten: Recyclinganteil, Zertifikate, sofern vorhanden, und Unterlagen, die Sie Ihren Kunden zeigen können.

Stoff auswählen und richtig bestellen

Beginnen Sie beim Produkt: Wofür ist der Stoff, für welches Preissegment, welche Pflege erwartet der Kunde? Vergleichen Sie dann die Muster nach Zusammensetzung, Gewicht in g/m², Breite, Griff und Fall. Fragen Sie den Lieferanten nach Prüfwerten: Einlaufen, Pilling und Farbechtheit. Klären Sie, ob der Stoff ab Lager verfügbar ist (sogenannter Stock Service mit kleinen Metragen) oder für Ihren Auftrag produziert wird, mit Mindestmenge pro Farbe und einigen Wochen Lieferzeit. Geben Sie die Farbe anhand eines Labdips bei Tageslicht frei. Nähen Sie ein Musterteil, bevor Sie die gesamte Metrage bestellen. Wir wählen Stoffe bei Webereien in Prato aus, zeigen sie Ihnen per Video in Nahaufnahme und schicken Ihnen Stoffmuster.

Was Sie vor der Stoffbestellung prüfen sollten

  • Zusammensetzung in Prozent und Gewicht in g/m²
  • Stoffbreite und Verbrauch pro Teil
  • Einlaufen, Pilling und Farbechtheit
  • Lagerverfügbarkeit oder Mindestmenge pro Farbe
  • Produktions- und Lieferzeit der Metrage
  • Farbfreigabe anhand eines Labdips
  • Genähtes Musterteil vor der Bestellung der ganzen Serie

Wir finden den Stoff für Ihre Kollektion

Beschreiben Sie Produkt und Budget: Wir zeigen Ihnen passende Stoffe bei Webereien in Prato per Video, schicken Stoffmuster und stimmen Menge, Farbe und Termine ab.

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